
In der Welt des Personenschutzes verschwimmen oft die Grenzen zwischen Schutz und Service. Doch wie weit dürfen die Erwartungen an zusätzliche Dienstleistungen gehen, ohne die eigentliche Schutzfunktion zu gefährden?
Die Balance zwischen Schutz und Service
Es ist verständlich, dass wohlhabende Familien und hochrangige Persönlichkeiten einen gewissen Grad an Service erwarten. Doch dürfen sie von ihren Personenschützern verlangen, Pakete abzuholen, Medikamente zu besorgen oder als persönliche Assistenten zu fungieren?
Diese Frage ist komplex. Einerseits kann argumentiert werden, dass ein gewisses Maß an Flexibilität und Serviceorientierung zum Job gehört. Andererseits besteht die Gefahr, dass diese Zusatzaufgaben die eigentliche Schutzfunktion beeinträchtigen.
Aber wann wird es kritisch?
Experten sind sich einig: Sobald die Aufmerksamkeit des Personenschützers von seiner Hauptaufgabe abgelenkt wird, ist Vorsicht geboten.
Stellen Sie sich vor: Ein Bodyguard steht in der Schlange einer Apotheke, um Medikamente für seinen Schützling zu besorgen. In diesem Moment kann er nicht gleichzeitig die Umgebung auf potenzielle Bedrohungen hin überwachen. Ist das noch verantwortungsvoll?
Die unterschätzten Risiken…
Viele Schutzpersonen und ihre Familien sind sich der Risiken möglicherweise nicht bewusst oder unterschätzen sie. Sie sehen in ihren Personenschützern oft eine Mischung aus Bodyguard, Butler und persönlicher Assistent. Doch diese Vermischung von Rollen kann die Sicherheit gefährden.
Artfremde Aufgaben im Personenschutzalltag
Selbst Aufgaben wie Fensterputzen oder Wespennester entfernen, können zum täglichen Alltag gehören. Diese Beispiele aus der Praxis verdeutlichen, wie weit Serviceleistungen gehen können.
Diese artfremden Aufgaben werfen auch rechtliche Fragen auf. Wenn ein Personenschützer bei der Ausführung solcher Tätigkeiten verletzt wird oder Schäden verursacht, stellt sich die Frage der Haftung und Versicherung. In vielen Fällen sind Personenschützer nicht für diese Aufgaben versichert, was sowohl für sie selbst als auch für die Schutzperson erhebliche finanzielle und rechtliche Risiken mit sich bringt.
Ein notwendiges Umdenken unter Berücksichtigung individueller Bedrohungslagen
Die Personenschutzbranche steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen Service und Sicherheit zu finden. Dabei ist es entscheidend, dass sowohl Personenschützer als auch ihre Klienten eine klare Vorstellung davon haben, was erwartet werden kann und was nicht. Ein wichtiger Aspekt, der bei dieser Diskussion ist die individuelle Bedrohungslage der Schutzperson. Je nach Risikoprofil und aktueller Gefährdungssituation kann der Spielraum für zusätzliche Serviceleistungen variieren: Die Diskussion darüber, wie viel Service angemessen ist, ohne die Sicherheit zu gefährden, muss also immer im Kontext der spezifischen Bedrohungssituation geführt werden. Letztlich sollte die Sicherheit immer an erster Stelle stehen, auch wenn dies bedeutet, auf bestimmte Komfortleistungen zu verzichten.
