Digitaler Nachlass – Wer hat Zugriff im Todesfall

Für die meisten Menschen spielt sich ein zunehmender Teil des Lebens in der digitalen Welt ab. Was aber passiert, wenn ein Angehöriger stirbt, wenn wichtige Zugangsdaten fehlen, Smartphones gesperrt oder Passwörter zu Online-Konten nicht bekannt sind? Wie kann man bereits im Vorfeld regeln, dass Erben dann Zugriff auf Konten und Daten erhalten?

Nach dem Tod eines Angehörigen stellen sich für die Erben immer häufiger Fragen nach den digitalen Zugängen. Welche Online-Konten gibt es? Wie kann man das Smartphone entsperren? Wo sind wichtige Dokumente gespeichert? Gibt es noch Fotos auf PC, Laptop oder Mobiltelefon, oder sogar bereits in der Cloud abgelegt? Welche Abos laufen noch oder hatte der/die Verstorbene sogar eine Krypto-Wallet?

Meist verhindern die Sicherheitsfunktionen moderner Geräte, wie PINs, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Verschlüsselung oder Passwortschutz, dass die Erben einfach auf Mobiltelefon & Co. zugreifen können. Dafür gibt es jedoch Lösungen! Jeder Nutzer sollte bereits zu Lebzeiten vorsorgen, um auch den digitalen Nachlass für die Erben so einfach wie möglich zu gestalten.

Generell bieten Google (Inaktivität-Manager) oder Apple (Nachlasskontakte) Funktionen, mit denen jeder User bereits zu Lebzeiten regeln kann, wer im Fall der Fälle auf die Geräte zugreifen kann. Im Detail kann man jedoch noch einige weitere Einstellungen treffen, um sicherzustellen, dass Erben auf alle notwendigen Daten zugreifen können.

Für die meisten Zugänge muss man beim jeweiligen Anbieter unter „Nachlass“ einen Antrag auf Übertragung des Kontos stellen. Apple, Google und Co. haben dafür eine genaue Beschreibung oder vorbereitete Schreiben auf ihren Webseiten. In aller Regel benötigen die Erben dann die Sterbeurkunde oder einen Erbschein bzw. vergleichbaren gerichtlichen Nachweis, dass sie den Nachlass berechtigt erhalten dürfen.

Für die Erben gilt:

  • Erstens ist es wichtig, nicht gleich alle Verträge für Smartphones, Tablets oder Computer zu kündigen bzw. die Geräte nicht zurückzusetzen. Häufig wird die Technik noch benötigt, um über die Zwei-Faktor-Authentifizierung auf andere Geräte oder Accounts zuzugreifen.
  • Außerdem spielen die E-Mail-Konten eine entscheidende Rolle. Wer darauf Zugriff hat, ist meist auf der sicheren Seite. So können in der Regel Daten des digitalen Lebens rekonstruiert bzw. Zugänge zu Ebay, Streaming-Diensten, PayPal oder sonstigen Cloud-Diensten zurückgesetzt und Passwörter neu vergeben werden.
  • Wichtig sind auch die Zugänge für das jeweilige Betriebssystem, also z.B. für Apple, Microsoft oder Google, da diese in der Regel mit den Smartphones oder Laptops verknüpft sind. Darüber erhält man meist direkten Zugriff auf Dokumente, Fotos oder E-Mail-Konten.

Sofern man noch Zugriff auf Geräte des Verstorbenen hat, sollte man zuerst nach einem Passwort-Manager suchen. Dort finden sich in der Regel die meisten Login-Daten. Teilweise sind die Zugänge auch gleich im Browser oder direkt dem jeweiligen Account gespeichert.

Wenn nicht bekannt ist, bei welchen Banken oder sonstigen Anbietern Konten des Verstorbenen bestehen (z.B. auch Trading-Plattformen oder Krypto-Wallets), sollten bei allen großen Bankenverbänden Suchaufträge gestellt werden. Dies kann beim Bundesverband Deutscher Banken (BDB), beim Deutschen Sparkassen- und Giro-Verband (DSGV) oder beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sein.

Wer möchte, dass seine Erben nach dem Todesfall sicheren Zugriff auf Accounts und Bankkonten haben, sollte dies bereits im Vorfeld regeln. Dafür bieten sich Passwortmanager wie 1Password, Bitwarden, KeePass oder Dashlane etc. an. Für diese benötigt man nur ein Masterpasswort, dass man in einem versiegelten Umschlag oder beim Testament hinterlegt, wodurch die Erben dann auf alle Account-Daten kommen. In der Regel sollten darin Zugänge für folgende Konten/Zugänge gespeichert sein:

  • E-Mail-Konten
  • Bankkonten
  • Kundenportale (Amazon, Ebay etc.)
  • Social-Media-Accounts
  • Cloud-Speicher
  • Versicherungen
  • Online Shops
  • Domains und Webhosting

Sollten keinerlei Passwörter bekannt sein, wird es in der Regel schwer. Im Ausnahmefall können dann noch Spezialisten mit speziellen Forensik-Tools helfen an die Geräte-Daten zu kommen.

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