Familiensicherheit beginnt mit Offenheit: Kinder als Teil unserer Sicherheitsstrategie

Der Internationale Tag der Familien am 15. Mai ist für mich nicht nur ein beruflicher Anlass, sondern auch ein persönlicher. Als Sicherheitsberaterin und Mutter von zwei Töchtern erlebe ich täglich, wie wichtig es ist, Kinder in Sicherheitsthemen einzubeziehen.

Der Irrtum der „unbeschwerten Kindheit“

„Die Kinder sollen davon nichts mitbekommen, sie sollen eine unbeschwerte Kindheit haben.“ Diesen Satz höre ich fast täglich in meiner Beratungspraxis. Doch diese gut gemeinte Haltung kann das Gegenteil bewirken. Kinder spüren Spannungen und unausgesprochene Sorgen. Ohne altersgerechte Erklärungen füllen sie Informationslücken mit ihrer eigenen Fantasie – die oft beängstigender ist als die Realität.

Ein Beispiel aus meiner Familie:

Nach einem Einbruch in der Nachbarschaft hatte meine jüngere Tochter plötzlich Schlafprobleme. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie Bruchstücke von Erwachsenengesprächen aufgeschnappt hatte und nun fürchtete, „böse Menschen“ könnten jederzeit kommen. Ein offenes, altersgerechtes Gespräch über unsere Sicherheitsmaßnahmen half ihr, diese Ängste zu überwinden. Echtes Vertrauen entsteht, wenn Kinder wissen: „Hier ist jemand, der auf mich aufpasst und für mich da ist.“ Kinder, die in Sicherheitsthemen einbezogen werden, lernen:

  • Dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind
  • Dass es Erwachsene gibt, die sie schützen
  • Dass sie selbst zu ihrer Sicherheit beitragen können

Diese Erfahrungen stärken ihr Sicherheitsgefühl und ihr Selbstvertrauen.

Vorbereitung statt Trauma

Viele Eltern befürchten, ihre Kinder durch Sicherheitsgespräche zu ängstigen. Doch die Forschung zeigt: Kinder, die altersgerecht auf Gefahren vorbereitet werden, entwickeln weniger Ängste und können besser mit bedrohlichen Situationen umgehen. Kinder unvorbereitet mit Gefahren zu konfrontieren – birgt ein weit höheres Traumarisiko. Wie eine Mutter es treffend formulierte: „Ich möchte lieber, dass mein Kind durch mich von Gefahren erfährt, als durch eine traumatische Erfahrung.“ In bestimmten Situationen reichen familiäre Sicherheitsstrategien nicht aus. Hier kommt der spezialisierte Personenschutz für Kinder ins Spiel – ein oft übersehener Aspekt der Familiensicherheit.

Diese Spezialisten verbinden Sicherheitsexpertise mit kindgerechten Ansätzen:

  • Sie analysieren Risiken in kindlichen Umgebungen wie Schulen und Spielplätzen
  • Sie entwickeln Schutzstrategien, die die Entwicklung des Kindes möglichst wenig einschränken
  • Sie kommunizieren altersgerecht über Sicherheitsthemen
  • Sie bauen Vertrauen auf, ohne Angst zu erzeugen

In meiner Beratungspraxis habe ich erlebt, wie wertvoll solche Spezialisten sein können. Eine Familie, die Drohungen erhielt, engagierte einen auf Kinderschutz spezialisierten Personenschützer. Dieser baute eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern auf und sorgte dafür, dass sie trotz der bedrohlichen Situation ein möglichst normales Leben führen konnten.

Praktische Wege, Kinder einzubeziehen

In meiner Familie und Beratungspraxis haben sich folgende Methoden bewährt:

Regelmäßige Sicherheitsgespräche: Kurze, positive Gespräche, bei denen jedes Familienmitglied Fragen oder Beobachtungen teilen kann.

Gemeinsame Sicherheitsplanung: Als wir unseren Notfallplan für Feuer entwickelten, brachten meine Töchter wertvolle Perspektiven ein, die wir Erwachsenen übersehen hatten.

Spielerisches Lernen: Sicherheitsübungen können spielerisch gestaltet werden. Rollenspiele helfen Kindern, angemessene Reaktionen auf verschiedene Situationen zu üben.

Ein persönliches Beispiel

Vor einigen Monaten wurde meine ältere Tochter im Park von einem fremden Mann angesprochen. Dank unserer regelmäßigen Sicherheitsgespräche wusste sie genau, wie sie reagieren sollte: Sie entfernte sich, suchte die Nähe anderer Erwachsener und informierte eine Vertrauensperson.

Als sie mir später davon erzählte, war sie weder traumatisiert noch übermäßig verängstigt – sie fühlte sich kompetent und sicher, weil sie wusste, wie sie sich schützen konnte.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Folgende Situationen können den Einsatz spezialisierter Kinderpersonenschützer rechtfertigen:

  • Konkrete Bedrohungen gegen die Familie oder Kinder
  • Hochrisikosituationen wie Zeugenaussagen in Strafverfahren
  • Öffentliche Exponiertheit der Familie
  • Besondere Vulnerabilität des Kindes

In solchen Fällen kann ein Spezialist eine wertvolle Ergänzung zu familiären Sicherheitsstrategien sein.

Wenn wir Kinder in Sicherheitsthemen einbeziehen, vermitteln wir ihnen wertvolle Lebensfertigkeiten:

  • Risiken realistisch einschätzen
  • Verantwortung übernehmen
  • In Stresssituationen überlegt handeln
  • Hilfe suchen, wenn nötig

Diese Fähigkeiten bilden die Grundlage für Selbständigkeit und emotionale Intelligenz.

Der Internationale Tag der Familien bietet die Gelegenheit, unseren Ansatz zur Familiensicherheit zu überdenken. Statt Sicherheit als beängstigende Notwendigkeit zu betrachten, die wir vor unseren Kindern verbergen, können wir sie als gemeinsames Familienprojekt gestalten.

Als Sicherheitsexpertin weiß ich, wie wichtig technische Maßnahmen sind. Als Mutter weiß ich, dass die stärkste Sicherheit aus Vertrauen und offener Kommunikation erwächst.

Der diesjährige Tag der Familien sollte genutzt werden, um einen neuen Ansatz zur Familiensicherheit zu feiern – einen Ansatz, der Kinder einbezieht, auf Vertrauen basiert und bei Bedarf auch professionelle Unterstützung einschließt. Denn in einer Familie, die offen über Sicherheit spricht, können Kinder nicht nur sicher, sondern auch selbstbewusst und resilient aufwachsen.

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