Internationaler Tag der Katastrophenvorbeugung

Schlagzeilen extremer Überschwemmungen, neuartiger und andauernder pandemischer Lagen, komplexer humanitärer Notlagen verursacht durch bewaffnete Konflikte, Klimaschocks und sozioökonomische Krisen sowie technologischer Katastrophen wie Stromausfälle, Nuklearkatastrophen, Zugunglücke und Cyberangriffe dominieren die Berichterstattung seit Langem. Scheinbar vergeht kein Tag, an welchem katastrophale Ereignisse schwerwiegende Störungen und weitreichende menschliche, materielle, wirtschaftliche oder ökologische Auswirkungen hervorrufen.

Doch lässt sich der ernüchternde Eindruck vermehrter Katastrophen bei näherer Betrachtung nicht ausschließlich durch die allgemeine Tendenz zur Negativität (negativity bias) erklären. Die Anzahl der registrierten Katastrophen stieg in den vergangenen Jahrzehnten de facto stetig an. Dem amerikanischen Think Tank Institute for Economics & Peace zufolge verzehnfachte sich etwa die Anzahl von Naturkatastrophen seit den 1960er-Jahren. Der unter dem jüngsten Hurrikan Ian in Vergessenheit geratene tropische Wirbelsturm Ida, welcher im Jahr 2021 weite Teile der amerikanischen Golf- und Ostküste sowie Landesteile südamerikanischer und karibischer Staaten verwüstete, stellte laut dem Finanzdienstleistungsunternehmen AON in ebendiesem Jahr das größte Versicherungsschadensereignis und den viert-kostspieligsten Hurrikan aller Zeiten dar, mit versicherten Schäden in Höhe von etwa 36 Mrd. US-Dollar. Schätzungen der Swiss Re zufolge belief sich der wirtschaftliche Gesamtschaden aufgrund von Naturkatastrophen alleinig im Jahr 2021 auf etwa 270 Mrd. US-Dollar – Tendenz im Folgejahr steigend.

Um präventive Bemühungen einer potenziellen Verhinderung von ebensolchen Ereignissen und den Ausbau von Katastrophenschutzmechanismen zur Minderung der Folgen in das allgemeine Bewusstsein zu rücken, riefen die Vereinten Nationen am 13. Oktober 2009 erstmalig den Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung aus. So soll der Tag auf präventive Anstrengungen auf nationaler und internationaler Ebene aufmerksam machen und der Umsetzung des 2015 unterzeichneten Sendai Framework for Disaster Risk Reduction zur Stärkung der Resilienz von Ländern und Kommunen im Katastrophenfall Vorschub leisten.

Den Bereich der Katastrophenprävention wiederholt in den Mittelpunkt zu stellen erscheint umso notwendiger, als Szenarien eines flächendeckenden Zusammenbruchs des Stromnetzes im Rahmen eines Blackouts sowie eines potenziellen Zusammenspiels mehrerer Katastrophen zunehmend realistisch erscheinen. Großschadensereignisse wie die jüngste großflächige Unterbrechung des Zugfernverkehrs in Norddeutschland illustrieren in aller Deutlichkeit die zeitliche und örtliche Unbegrenztheit solcher Ereignisse sowie die Vulnerabilität weiter Teile der Bevölkerung im Falle des Ausfalls Kritischer Infrastrukturen.

Zugleich müssen Privatpersonen und Unternehmen dem Katastrophenfall nicht mit gänzlicher Ohnmacht begegnen. Im Gegenteil: Abhängig von den Spezifika des Realszenarios existiert stets ein gewisser Handlungsspielraum, der die Bewältigung der Auswirkungen der Katastrophe in einem bestimmten Umfang ermöglicht. Der erfolgreiche Umgang mit den menschlichen, materiellen, ökonomischen oder ökologischen Auswirkungen katastrophaler Ereignisse erfordert grundsätzlich ein elaboriertes Krisen- und Notfallmanagement, welches unter anderem vorbereitende, präventive und reaktive Maßnahmen sowie nachhaltige Lernprozesse umschließt.

Während Vorbereitungsmaßnahmen für das Szenario eines anhaltenden Blackouts beispielsweise die Erstellung szenariospezifischer Notfall-Checklisten einschließlich der Beschaffung alternativer Stromquellen und der Errichtung unabhängiger Kommunikationskanäle umfassen, können reaktive Maßnahmen wie die Umsetzung entsprechender Notfallpläne, die Einberufung eines Krisenstabs und der Einsatz zuvor erwähnter Checklisten Ordnung in die Bewältigung der Katastrophe bringen und das Unternehmen und dessen Mitarbeiter sicher durch volatile Phasen führen.

Der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung führt uns somit die Unabdingbarkeit eines umfassenden Krisen- und Notfallmanagements vor Augen und erinnert uns an dessen alternativlosen Grundsatz: Personelle und finanzielle Investitionen in effektive Präventiv- und Vorbereitungsmaßnahmen sind auch im Katastrophenfall der Schlüssel zum langfristigen unternehmerischen Erfolg.

Die Autorin:

Alessa Bayerle ist Consultant für die Bereiche Krisenmanagement und Reisesicherheit.

E-Mail: bayerle@corporate-trust.de

Tel: +49 89 599 88 75 80

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