Diesen Geschäftsrisiken begegnen deutsche Unternehmen in 2023

2022 – ein Jahr geprägt von beispiellosen Krisen und Unsicherheiten ist vorüber. Von den Auswirkungen eines bewaffneten Konflikts auf europäischem Boden, explodierender Inflationsraten und Energiekosten sowie einer schier endlosen globalen Gesundheitskrise blieb kein deutsches Unternehmen verschont. Kleine und mittelständische Unternehmen brauchten in diesem Jahr einen besonders langen Atem. Letztere wurden wiederholt von der Gemengelage aus Krisensituationen auf die Probe gestellt und waren weltweit überdurchschnittlich von Insolvenzen betroffen. Ein Blick in die Glaskugel lässt vermuten, dass auch das kommende Jahr nicht weniger krisenbedingte Herausforderungen bereithält. Neben „klassischeren“ Geschäftsrisiken sollten deutsche Unternehmen den nachfolgenden Geschäftsrisiken im Jahr 2023 besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

1. Betriebsunterbrechungen

Das Risiko der Betriebsunterbrechungen wird auch im Folgejahr die Risikolandschaft weltweit dominieren. Die Akkumulation von Krisen zeigte im Jahr 2022 die Verwundbarkeit moderner Lieferketten auf. Neben beispiellosen Handelsembargos betonten durch Konflikte und Kriege unterbrochene Handelswege die Verflechtung von Lieferketten sowie die augenfälligen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Folgen von Lieferkettenunterbrechungen. Ein wachsendes Bewusstsein für Betriebsstörungsrisiken im Allgemeinen und Lieferkettenunterbrechungen im Spezifischen wird sich daher vermutlich auch in Zukunft zu einem wichtigen unternehmensübergreifenden Thema entwickeln. Ferner werden sich Gegensteuerungsmaßnahmen wie Betrachtungen der Unternehmensexposition und -resilienz sowie kritischer Lieferketten in 2023 für zahlreiche deutsche Unternehmen als unerlässlich darstellen.

2. Personalbezogene Risiken

Nicht zuletzt zeigte die Corona-Pandemie die Bedeutsamkeit der Belegschaft für die Geschäftskontinuität sowie das breitere gesellschaftliche Umfeld, in denen Unternehmen tätig sind, auf. Neben gesundheitsbedingten Personalausfällen löste die Coronakrise in einer Vielzahl deutscher Unternehmen Entlassungserwägungen aus, welche derzeit von weitverbreiteten Sorgen vor einer drohenden Rezession angefacht werden. Zugleich arrivierte der bereits vor der Pandemie bestehende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in diesem Jahr erstmals zu einem zentralen Geschäftsrisiko – und dies nicht nur in Deutschland. Der steigende Trend des Fachpersonalmangels wird Prognosen zufolge auch im Jahr 2023 fortbestehen und beispielsweise im Bereich der Cybersicherheit in einem erhöhten Sicherheitsrisiko für Unternehmen münden, welche sich zwangsweise nicht ausreichend gegen potenzielle Cyberangriffe – ein weltweites Hauptgeschäftsrisiko – schützen können.

3. Änderungen in der Gesetzgebung und Rechtsvorschriften

Trotz vieler Versprechen, Bürokratie zu reduzieren, nimmt die Anzahl neuer Gesetze und Vorschriften in Deutschland stetig zu. 2023 wird hierbei keine Ausnahme darstellen, insbesondere hinsichtlich der Bereiche Nachhaltigkeit und Big Tech. Das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG), welches am 01. Januar 2023 in Kraft tritt, soll in Deutschland ansässige Unternehmen mit mehr als 3.000 Arbeitnehmern (und ab 2024 mit mehr als 1.000 AN) verpflichten, ihrer Verantwortung in den Wertschöpfungs- und Lieferketten nachzukommen. Das Gesetz regelt erstmals die unternehmerische Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten in den Lieferketten und beschreibt unter anderem die Einrichtung eines Risikomanagements, um Risiken von Menschenrechtsverletzungen und Umweltschädigungen zu identifizieren, zu vermeiden und/oder zu begrenzen. Auch KMUs (und selbstverständlich Lieferanten) können hiervon betroffen sein, wenn diese als Zulieferer für größere Abnehmer ihrer Dienstleistungen und Produkte in der Thematik involviert sind. Aufgrund der Verhängung hoher Bußgelder bei Gesetzesbruch wird die rechtzeitige Planung und Etablierung eines Risikomanagements sowie entsprechender risikominimierender Maßnahmen für viele KMUs und Mittelständler im Folgejahr eine zentrale Herausforderung darstellen.

Die gegenwärtigen geopolitischen Großkonflikte gepaart mit makroökonomischen Unsicherheiten werden auch das Jahr 2023 maßgeblich beeinflussen. Indessen dürfen deutsche Unternehmen nicht die Hoffnung verlieren. Denn obwohl die Fülle an Krisen landläufig für schlechte wirtschaftliche Aussichten sorgt, bewiesen in diesem Jahr unzählige Unternehmen, dass sie mithilfe gezielter Präventiv- und Reaktivmaßnahmen schwierigen Zeiten trotzen können. Zudem zeigten sich KMUs in Krisenzeiten bei der Ergreifung effektiver Gegenmaßnahmen als besonders engagiert. Vor dem Hintergrund der genannten Risiken sollte vor allem der Beginn des neunen Jahres genutzt werden, um Herausforderungen zu erkennen, Risiko- und Krisenmanagement sowie BCM-Prozesse zu überprüfen und adjustieren oder diese bei Bedarf – auch mit externer Hilfe – neu zu etablieren. Zuletzt sollte selbstverständlich nicht vergessen werden, dass Krisen – auch wenn diese fortwährend neue Risiken hervorbringen – immerzu unternehmerische Chancen bergen. Auf ein resilientes Jahr 2023!

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